Der Heimat- und Geschichtsverein Kirchhain e.V. lädt am Freitag, dem 25. September 2026 um 19.00 Uhr in die Gaststätte „Hessischer Hof“ (Borngasse 10-12, 35274 Kirchhain) ein.
Zum 200. Geburtstag von Wilhelm Liebknecht, der in Gießen in diesem Jahr groß gefeiert wurde, referiert die Butzbacher Lokalhistorikerin Dagmar Storck über das außergewöhnliche Leben der Nichte des Butzbacher Freiheitskämpfers Weidig und zweiten Frau von Wilhelm Liebknecht, Natalie Liebknecht. Dagmar Storck überschreibt ihren Vortrag mit dem Titel „Mit voller Hingabe für den Sozialismus - Natalie Liebknecht, die starke Frau an der Seite des SPD-Mitbegründers Wilhelm Liebknecht“.
Am 23. Mai 2026 feierte die älteste noch bestehende Partei Deutschlands ihren 163. Geburtstag.
Die SPD und ihre Vorläufer haben die Geschichte der Demokratie in Deutschland maßgeblich geprägt. Trotz massiver Repressionen wuchs sie in der Illegalität unter dem gebürtigen Gießener Wilhelm Liebknecht und August Bebel zu einer Massenpartei. Doch bis es soweit kam erlitten viele ihrer führenden Mitglieder und deren Familien oft große Not, wie Dagmar Storck am Beispiel von Nathalie Liebknecht zeigt.
Die am 19. Juli 1835 in Darmstadt geborene Natalie Reh, die Nichte des Butzbacher Freiheitskämpfers F. L. Weidig, heiratet 1868 Wilhelm Liebknecht und gerät damit in die „Geburtswehen der deutschen Sozialdemokratie“. An der Seite von Wilhelm durchlebt und durchleidet die hochgebildete junge Frau aus dem Großbürgertum mehr als drei Jahrzehnte voller Kämpfe und Verfolgungen, in denen sie nicht nur die beiden verwaisten Töchter aus seiner ersten Ehe, sondern auch fünf gemeinsame Söhne mehr oder weniger als „Alleinerziehende“ durchbringen muss. Der bekannteste Sohn von Natalie ist der spätere Jurist und Politiker Karl Liebknecht.
Ist ihr Mann Wilhelm mal nicht in Haft, ist er als Abgeordneter im Reichstag oder zu Vorträgen im In- und Ausland unterwegs. Ständig ist das Geld knapp. Natalie hält die Familie u.a. mit Übersetzungen sozialkritischer Romane aus dem Englischen über Wasser. Sie steht mit vielen führenden Männern und Frauen der deutschen und internationalen Arbeiterbewegung im Austausch. Während Wilhelms Inhaftierungen hält sie den für die junge deutsche Sozialdemokratie so wichtigen Kontakt mit Marx und Engels in London aufrecht. Mit 72 Jahren nimmt sie nach dem Tode Wilhelms noch am „Internationalen Sozialistenkongress“ 1907 in Stuttgart teil.
Der reichbebilderte Vortrag erinnert an eine bedeutende Zeit der deutschen Geschichte, die geprägt war von Bismarcks „Sozialistengesetz“, dem Kampf gegen Ausbeutung und für bessere Arbeitsbedingungen sowie Frauenrechte. All dies ist untrennbar mit Natalie Liebknechts Leben verbunden.